Interview mit Yvonne Günter zum Thema „Schematherapie“
Fr. Grünther:
Frau Pilch, Sie haben 1992 Ihr Psychologiestudium an der Universität Bielefeld abgeschlossen und sind seit 1995 in Ihrer eigenen Praxis niedergelassen. Von 2011–2013 haben Sie eine Weiterbildung am Institut für Schematherapie in Köln und Frankfurt absolviert.
Fr. Pilch:
Die Schematherapie ist ein integrativer Psychotherapieansatz, der in den 90ern von dem amerikanischen Psychotherapeuten Jeffrey Young entwickelt wurde. In diesem Ansatz wurden bestehende Therapieschulen miteinander kombiniert und als ein strukturiertes Konzept entwickelt. Die Schematherapie beinhaltet Elemente der Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie, Hypnotherapie und der Psychodramatherapie.
Die Schematherapie wurde entwickelt als eine Art Antwort darauf, dass gerade persönlichkeitsgestörte Patienten, insbesondere Borderline-Patienten sich als resistent im Kontext der anderen Therapieschulen gezeigt haben.
Man geht davon aus, dass Patienten mit der Borderline-Störung traumatische Erfahrungen schon in der frühen Kindheit erlebt haben und die Schematherapie auf diese Traumata lösungsorientiert eingeht.
Fr. Grünther:
Können Sie mir erklären, wie Sie die Schematherapie bei Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung anwenden?
Fr. Pilch:
Die Schematherapie geht davon aus, dass wir über dysfunktionale Verhaltensmuster verfügen, welche Schemata genannt werden. Es gibt insgesamt 18 Schemata, die von Jeffrey Young definiert wurden. Ein Schema besteht aus Gedanken, Gefühlen, Erinnerungen und körperlichen Empfindungen. Es sind also dysfunktionale Muster, die in bestimmten Situationen aktiviert werden. Diese Schemata führen zu dysfunktionalen Verhaltensmuster. Die Schemata werden am Anfang der Therapie mithilfe von diagnostischen Verfahren ermittelt und auch mit dem Patienten besprochen.
In der Diagnostikphase werden neben der Schemata auch die sogenannten Modi erfasst. Die Schematherapie geht davon aus, dass wir über vier Hauptmodi verfügen und zwar jeder von uns. Es gibt den sogenannten Kindmodus, Elternmodus, Bewältigungsmodus und den Modus der gesunden erwachsenen Person.
Das wird in der Anfangsphase der Therapie im Rahmen des sogenannten Fallkonzeptes zusammen mit dem Patienten individuell erstellt.
Der Kindmodus bezieht sich auf Gefühle. Wir sprechen von einem traurigen, ärgerlichen, impulsiven und glücklichen Kind.
Dann gibt es den Elternmodus. Da sind wieder alle Vorsätze und Normen, die uns unsere Eltern, aber auch andere wichtige Bezugspersonen aus unserer Kindheit, also bis ca. zum 15. Lebensjahr vermittelt haben. Im Elternmodus unterscheidet man zwei Unterkategorien. Die sogenannten fordernden Elternteile und die strafenden Elternteile. Das sind Gedanken oder tief verankerte Glaubenssätze, die oft nicht auf der bewussten Ebene vorhanden sind. Elternteile sind z.B. Aussagen wie „Reiß dich zusammen”, „Du musst funktionieren”, »Sei perfekt” oder »„Gefühle sind unwichtig”. Strafende Teile sind sehr toxisch und schädigend für das Selbstwertgefühl, wie z.B. „Du bis nichts wert”, „Du bist zu dumm”, „Dass ich dich überhaupt bekommen habe” oder „Du bist eine Strafe für mich”. Es sind Annahmen, die wir als Kinder vermittelt bekommen haben, verinnerlicht haben und die zu diesem Elternmodus in unserem Inneren geworden sind.
Der Bewältigungsmodus spielt sich auf der Verhaltensebene ab. Das sind alle scheinbaren Bewältigungsstrategien, die wir im Laufe des Lebens entwickelt haben, um diese belastenden Gefühle im Kindmodus irgendwie scheinbar zu bewältigen. In diesem Bewältigungsmodus haben wir wieder drei Unterkategorien. Das ist einmal das Vermeiden von Gefühlen durch Süchte wie Alkohol, Nikotin, Drogen, Tabletten, Online-Konsum, Kaufsucht usw. Die zweite Unterkategorie ist Überkompensation, also alles was wir exzessiv machen, also exzessives Arbeiten, putzen etc. Bei Borderline-Patienten ist das oft sowas wie exzessives Autofahren. Die dritte Kategorie ist die Vermeidung von Konflikten.
Der vierte Modus ist der Modus der gesunden erwachsenen Person. In diesem Modus haben wir alle Ressourcen und alle Fähigkeiten, die wir als erwachsene Menschen besitzen. Unser Job, Familie, Freundschaften, Partnerschaften, Elternschaft aber auch Konfliktbewältigungsfähigkeit, Selbstberuhigungsfähigkeit, Selbstregulation, Selbstfürsorge und Abgrenzungsfähigkeit.
Anhand dieser Aufstellung sieht man schon, dass es hilfreiche Modi und dysfunktionale Modi gibt. Das Ziel der Schematherapie ist es den Modus der gesunden erwachsenen Person zu stärken und zu fördern und dadurch einen erwachsenen angemessenen Umgang mit der Emotionalität, also mit dem Kindmodus zu entwickeln. Der Elternmodus soll mithilfe von verschiedenen Techniken beschränkt und reduziert werden. Man kann es nicht löschen, aber man kann mithilfe von bestimmten Techniken tatsächlich auf die Intensität und auf Gültigkeit von diesen Inhalten des Elternmodus nehmen.
In der Anfangsphase wird die Diagnostik gemacht. In der Diagnostikphase werden Schemata und Modi mit Hilfe von standardisierten Testverfahren ermittelt. Das wird alles mit dem Patienten besprochen und dann gibt es eine Art Hausaufgaben. Das sind Arbeitsblätter, dadurch üben sie sich darin im Alltag wahrzunehmen, wann sie in welchem Modus sind. Bei den sehr gestörten Patienten verzichte ich oft auf die Schemaarbeit. Es wird der Test gemacht, damit ich weiß, welche Schemata da überhaupt im Spiel sind. Oft sind es aber mehrere. Also man kann es sich so vorstellen: Jemand, der mit einer einfachen Angststörung in die Therapie kommt, hat vielleicht drei oder vier Schemata von den 18 und ein Patient mit einer Borderline-Störung hat oft 10–15 Schemata. Es würde die Patienten überfordern, wenn man das alles besprechen würde. Deswegen beschränke ich mich auf die Modi-Arbeit am Anfang. Das ist mehr das holländische Model der Schematherapie und mit Hilfe von bestimmten Arbeitsblättern lernen die Patienten im Alltag wahrzunehmen, wann sie in welchem Modus sind. Das wird schriftlich festgehalten und im Rahmen der Therapiestunden besprochen.
Die Arbeit fokussiert sich darauf, dass der Modus der gesunden erwachsenen Person gestärkt und gefördert wird, immer im Kontakt mit der Emotionalität bleibt, also mit dem Kindmodus. Die Einflüsse des Elternmodus sollten reduziert werden. Das geht mit Hilfe von z.B. kognitiven Techniken wie Gedankenstopp und Gedankenprotokollen.
Ebenfalls am Anfang der Therapie werden die sogenannten Kernbedürfnisse des Kindes besprochen. Die Schematherapie unterscheidet acht Kernbedürfnisse. Ich frage immer: „Schauen Sie sich das an und sagen mir, ob diese Bedürfnisse in ihrer Kindheit erfüllt wurden oder nicht” Wenn nein: „,Gibt es konkrete Erinnerungen diesbezüglich?”* Die werden nur sehr kurz geschildert, um am Anfang nicht in das traumatische reinzugehen. Das notiere ich mir und im späteren Verlauf werden diese Erlebnisse und Erfahrungen, die darauf hindeuten, dass die Kernbedürfnisse eben nicht erfüllt wurden, im Rahmen von sogenannten Imaginationsübungen bearbeitet.
Die Imaginationsübungen sind ein weiterer Baustein in der Schematherapie, nachdem die Patienten schon relativ gut eingeübt sind in dieser kognitiven Arbeit, was die Unterscheidungen von verschiedenen Modi angeht. Also zuerst lernen sie die Modi im Alltag zu unterscheiden. Ein Beispiel dafür wäre, ein Patient oder eine Patientin hat einen Streit mit dem Partner, das ist der Auslöser. Im Kindmodus registriert der Patient Wut, Angst und Unsicherheit, eventuell auch Schuld. Dann meldet sich der Elternmodus und der Elternmodus sagt: „Du bist sowieso nichts wert”, »Du bist nicht liebenswert, sieh zu, dass du verschwindest”. Der Bewältigungsmodus führt dazu, dass derjenige sich zum Beispiel selbst verletzt oder Alkohol trinkt oder einen Wutausbruch bekommt und Tassen durch die Gegend wirft. Dann ist die Frage, was würde der gesunde Erwachsene sagen. Er würde sagen: „Geh mal hin und such ein Gespräch, lasse dich auf die Meinung des Gegenübers ein und versuche einen Kompromiss zu finden. Es sind somit immer diese vier Schritte. Was ist der Kindmodus, also was sagt das Gefühl? Was sagt der Elternmodus? Das sind diese Normen. Dann die Bewältigung, was oft in Sucht oder exzessivem Verhalten endet und letztendlich: Was sagt der gesunde Erwachsene dazu? Und das machen wird über ein paar Wochen oder. Sie brauchen mehrere Beispiele und viel Zeit bis sie sozusagen einen Leitfaden im Kopf haben, der ihnen erlaubt die dysfunktionalen Muster, sprich die dysfunktionalen Modi zu erkennen und den gesunden Erwachsenen zu aktivieren und zu festigen.
Die Imaginationsarbeit ist ein weiterer wichiger Bestandteil der Schematherapie. Im Rahmen der Imaginationsarbeit werden alte traumatisierende Erfahrungen der Patienten erarbeitet. In Begleitung der Therapeutin werden die alten Situationen aufgesucht und der Ablauf wird korrigiert. Man veränderte alte Erinnerungen imaginativ, also angenommen eine Patientin hat eine traumatisierende Erfahrung mit ihrem Vater gemacht im Alter von 9 Jahren. Im Rahmen der Therapiesitzung wird die Situation imaginativ aufgesucht, das heisst, die Patientin stellt es sich so vor, wie es abgelaufen ist und geht in die Position des damaligen Kindes und der Ablauf dieser Situation wird innerlich in dem Moment gestoppt, wo Grenzüberschreitung, Traumatisierung, Gewalt und ähnliches stattgefunden hat. Ab diesem Punkt wird eine Korrektur statt, die im Sinne der Kernbedürfnisse des Kindes ist. Das nennen wir in der Schematherapie das nachträgliche Beeltern. Auf diese Art und Weise werden alle oder die wichtigsten Situationen aus der Vergangenheit bearbeitet und im Sinne des nachträglichen Beelterns korrigiert. Konkret kann man sich das so vorstellen: Wir nehmen eine alte Erfahrung mit Gewalt, wo der Vater der Patientin die Mutter schlägt und eventuell auch das Kind bedroht. An diesem Punkt wird die Situation gestoppt und die Patientin stellt sich vor, dass die Therapeutin von heute mit anderen Personen, wie Polizei oder Jugendamt dazukommen und dafür sorgen, dass das Kind und die Mutter aus der Situation herausgenommen werden und der Täter, in dem Fall der Vater, Konsequenzen erfährt, also verhaftet wird und abgeführt wird. Diese Arbeit entspricht den neuen Erkenntnissen aus dem Bereich der Neurowissenschaft.
Wir wissen, dass das menschliche Gehirn ein Leben lang neuroplastisch ist und bleibt, das heisst, dass die Synapsen und die Nervenzellen ein Leben lang dazu in der Lage sind neue Verbindungen zu bilden. Das nennen wir das Bahnungsprinzip und das ermöglicht Veränderungen auf der Verhaltens- aber auch auf der kognitiven Ebene. Diese Prozesse wurden vor ein paar Jahren mit modernen bildgebenden Verfahren wie MRT gezeigt und bestätigt.
In diesem Zusammenhang gehe ich auch nochmals auf die Kernbedürfnisse ein, die man am Anfang der Therapie mit dem Patienten besprochen hat. Diese Kernbedürfnisse gelten ein Leben lang und letztendlich geht es darum, dass ich in meinem jetzigen Leben dafür sorge, dass diese Bedürfnisse nach Bindung, Autonomie, nach sozialen Kontakten, nach Spiel und Spaß, Körperkontakt etc. auch heute erfüllt werden.
Das Prinzip der Neuroplastizität des Gehirns sorgt für die Entstehung von neuronalen Verbindungen und somit wird der Genesungsprozess gefördert und unterstützt.
So geht man alle Situationen durch, die man am Anfang der Therapie erfasst hat, also alle wichtigen Situationen, die dazu geführt haben, dass die Kernbedürfnisse des Kindes nicht erfüllt wurden. Wenn wir jetzt massivst traumatisierte Menschen haben, dann kann man natürlich nicht alle Situationen durchgehen, dann macht man die schlimmsten, ca. 2–3, dann vielleicht eine, die besonders in Erinnerung geblieben ist und dann schaut man einfach. Oft hat man dabei einen Effekt der Generalisierung. Es geht letztendlich um die Heilung des inneren Kindes. Durch das Bearbeiten der alten Traumatisierungssituationen sind die Patienten mit der Zeit immer mehr in der Lage für sich zu sorgen und die Erfüllung der Kernbedürfnisse zu sichern.
Das dritte Therapieelement ist die sogenannte Stühlearbeit. Dies kommt aus dem Bereich der Psychodrama-Therapie und wurde auch von Jeffrey Young integriert. Man kann sich das so vorstellen, dass man diese Anteile, z.B. Modi auf Stühle setzt. Dieser Abschnitt der Therapie findet im späteren Verlauf der Behandlung statt. Praktisch kann man sich das so vorstellen, dass der Patient zur Sitzung kommt und über eine belastende Erfahrung aus der letzten Woche berichtet. Im Vorfeld erarbeitet man die Anteilen, sagen wir die verschiedenen Modi und man setzt die unterschiedlichen Modi auf die Stühle. Also der Patient kommt und berichtet, dass er wieder eine Situation hatte und er war wütend und wollte eigentlich losschreien oder sich selbst verletzen,
Wir wissen, dass das menschliche Gehirn ein Leben lang neuroplastisch ist und bleibt, das heisst, dass die Synapsen und die Nervenzellen ein Leben lang dazu in der Lage sind neue Verbindungen zu bilden. Das nennen wir das Bahnungsprinzip und das ermöglicht Veränderungen auf der Verhaltens- aber auch auf der kognitiven Ebene. Diese Prozesse wurden vor ein paar Jahren mit modernen bildgebenden Verfahren wie MRT gezeigt und bestätigt. In diesem Zusammenhang gehe ich auch nochmals auf die Kernbedürfnisse ein, die man am Anfang der Therapie mit dem Patienten besprochen hat. Diese Kernbedürfnisse gelten ein Leben lang und letztendlich geht es darum, dass ich in meinem jetzigen Leben dafür sorge, dass diese Bedürfnisse nach Bindung, Autonomie, nach sozialen Kontakten, nach Spiel und Spaß, Körperkontakt etc. auch heute erfüllt werden. Das Prinzip der Neuroplastizität des Gehirns sorgt für die Entstehung von neuronalen Verbindungen und somit wird der Genesungsprozess gefördert und unterstützt. So geht man alle Situationen durch, die man am Anfang der Therapie erfasst hat, also alle wichtigen Situationen, die dazu geführt haben, dass die Kernbedürfnisse des Kindes nicht erfüllt wurden. Wenn wir jetzt massivst traumatisierte Menschen haben, dann kann man natürlich nicht alle Situationen durchgehen, dann macht man die schlimmsten, ca. 2–3, dann vielleicht eine, die besonders in Erinnerung geblieben ist und dann schaut man einfach. Oft hat man dabei einen Effekt der Generalisierung. Es geht letztendlich um die Heilung des inneren Kindes. Durch das Bearbeiten der alten Traumatisierungssituationen sind die Patienten mit der Zeit immer mehr in der Lage für sich zu sorgen und die Erfüllung der Kernbedürfnisse zu sichern. Das dritte Therapieelement ist die sogenannte Stühlearbeit. Dies kommt aus dem Bereich der Psychodrama-Therapie und wurde auch von Jeffrey Young integriert. Man kann sich das so vorstellen, dass man diese Anteile, z.B. Modi auf Stühle setzt. Dieser Abschnitt der Therapie findet im späteren Verlauf der Behandlung statt. Praktisch kann man sich das so vorstellen, dass der Patient zur Sitzung kommt und über eine belastende Erfahrung aus der letzten Woche berichtet. Im Vorfeld erarbeitet man die Anteilen, sagen wir die verschiedenen Modi und man setzt die unterschiedlichen Modi auf die Stühle. Also der Patient kommt und berichtet, dass er wieder eine Situation hatte und er war wütend und wollte eigentlich losschreien oder sich selbst verletzen, aber er wusste, dass es eigentlich nicht richtig ist, weil es keine dauerhafte Lösung ist. Im Therapieraum werden dann drei Stühle aufgestellt, für den Kindmodus, Elternmodus und den Modus des gesunden Erwachsenen und je nachdem in welchem Modus der Patient gerade beim Berichten ist, so setzt er sich auf den entsprechenden Stuhl. In seinem Gefühl setzt er sich auf den Stuhl des Kindes und berichtet darüber, was er fühlt. Dann wendet er sich innerlich ab und kritisiert sich und sitzt dabei auf dem Stuhl des Elternmodus. Auf dem Stuhl des gesunden Erwachsenen werden tragbare, adäquate Lösungen erarbeitet. Der Therapeut geht mit jedem in Kontakt. Sehr intensiv wird auf den Kindmodus eingegangen, mit den Fragen nach Gefühlen und den Bedürfnissen. Der Modus der gesunden erwachsenen Person wird dann dazu motiviert diese sorgende, empathische Aufgabe zu übernehmen und in die Interaktion mit dem kindlichen Anteil zu gehen. Im Lauf der Zeit übernimmt der Patient immer häufiger den Anteil der gesunden erwachsenen Person. Der Therapeut zieht sich immer mehr zurück und ist wie ein Berater im Hintergrund.
Im Laufe der Therapie werden die Leute immer selbständiger in diesen Analysen. Irgendwann brauchen sie die schriftlichen Aufgaben nicht mehr und sie machen selbständig Imaginationen mit dem inneren Kind. Sie merken einfach, wenn ein Gefühl stark vorhanden ist, dann meldet sich der Kindmodus und dann braucht dieser Kindmodus Unterstützung von dem gesunden Erwachsenen und das machen sie immer häufiger auch allein zu Hause. Zur Hilfe nehme ich immer diese Übungen am Anfang auf das Handy des Patienten auf, damit die sich das zu Hause nochmal anhören können. Irgendwann brauchen sie das aber nicht mehr, da sie es verinnerlich haben.
Fr. Günther:
Wie verläuft die erste Begegnung?
Fr. Pilch:
In der ersten Stunde wird der therapeutische Auftrag erfragt und definiert. Ich frage jeden, der in die Praxis kommt, wobei ich behilflich sein kann. In diesem Zusammenhang unterscheide ich zwischen dem Kunden, dem Klagenden und dem Besucher. Die Erfahrung zeigt, dass nur die Patienten, die einen konkreten Therapieauftrag haben, tatsächlich erfolgreich die Therapie absolvieren können.
Viele der Borderline-Patienten, die zu mir kommen, haben schon von der Schematherapie gehört und haben schon Vorerfahrungen mit zahlreichen Therapeuten und möchten ganz gezielt die Schematherapie machen. Die Behandlung dauert in der Regel zwei Jahre. Am Anfang finden die Stunden wöchentlich statt, so ca. ein halbes Jahr lang und dann alle zwei Wochen. Irgendwann im zweiten Jahr kommen sie nur alle 3–4 Wochen.
In der ersten Stunde überprüft man also den Therapieauftrag, dann erzähle ich, was ich so machen würde. Ich kombiniere es auch oft mit der pferdegestützten Therapie, vor allem im späteren Verlauf der Therapie. Ich erzähle von den traumaspezifischen Techniken, wenn ein Trauma vorliegt.
Fr. Günther:
Wie ist die Prognose mit dieser Therapieform?
Fr. Pilch:
Wenn die Leute kommen, krankheitseinsichtig sind und gezielt nach Schematherapie fragen, sind meine Erfahrungen sehr, sehr gut.
Wenn das keine Kunden, sondern “Besucher” sind, dann wird die Psychotherapie hier überhaupt nicht aufgenommen und ich verweise sie an andere Therapeuten oder Kliniken, damit sie erstmal eine Krankheitseinsicht bekommen.
Bisherige Studien haben eine hohe Wirksamkeit der Schematherapie bei Patienten mit Borderline-Störung gezeigt. Sowohl stationär als auch ambulant ist das Therapiekonzept wirkungsvoll.
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